Berlin-Film-Katalog
(in Vorbereitung)

„Berlin-Film-Katalog präsentiert nochmals“

Seit Juni 2012 präsentierte Berlin-Film-Katalog allmonatlich im Weißenseer Brotfabrikkino eine Berlin-Film-Rarität, im September 2023 zum 120. Mal. Höchste Zeit, auch einmal andernorts zu zeigen, welch reiches Angebot unterschiedlichster Spiel- und Dokumentarfilme aus Ost und West, dem noch nicht geteilten und dem wiedervereinten Deutschland in dieser Reihe bisher schon zu sehen war.

Seit Oktober 2023 wird daher einmal im Monat eine Berlin-Film-Rarität, die vor längerer Zeit im Brotfabrikkino zu sehen war, noch einmal im Anfang Juli 2023 – nach umfassender Renovierung und Modernisierung – wiedereröffneten Cosima-Filmtheater in Friedenau/Wilmersdorf gezeigt. Fester Termin dafür ist der dritte Montag eines jeden Monats, 17.30 Uhr. Es gibt nur eine Aufführung, und diese jeweils mit einer Einführung.

Das Cosima-Filmtheater befindet sich in der Sieglindestraße 10, direkt am Varziner Platz und direkt am S- und U-Bahnhof Bundesplatz, in 12159 Berlin. Eintritt: 8-12 Euro.


Am Montag, 16. Februar 2026 um 17.30 Uhr läuft im Cosima-Filmtheater (mit einer Einführung):

Playgirl

BRD 1965/1966 – 88 Min. (2417 m) – 35 mm (1:1,37) – Schwarzweiß

Regie, Buch: Will Tremper. Kamera: Wolfgang Lührse, Benno Bellenbaum. Ton: Naftali Schönberg. Schnitt: Ursula Möhrle. Script, Kostüme: Christine Viertel. Musik: Peter Thomas.

Darsteller: Eva Renzi, Harald Leipnitz, Paul Hubschmid, Umberto Orsini, Elga Stass (d.i. Edelgard Stössel), Rudolf Schündler, Ira Hagen, N. Sokatscheff, Barbara Rath, Hans-Joachim Ketzlin, Heidrun Kussin, Gerd Bethke, Marina Gambaroff, Erik von Loewis, Rita Maria Tablik, Bruno Hampel, Gerda Blisse, Ralph Gregan. Als Gäste Don Antonio Espinosa, Georg und Elizabeth Wertenbaker, Dimitri und Helen Cosmadopolous, Heinz Zellermeyer, Reinhold W. Timm, Ricci, Marga Zeuzem, Karin Reich, Monika Scholl-Latour, Alexander und Renate Gonda, Hans Peter Plettner, Elke Kummer, Gero Gandert, Katharina Sillaber, Ellen Kessler, Heinz Oestergaard sowie Mitglieder des Living-Theaters New York.

Es singen Marie France und Paul Kuhn. Es spielt Klaus Doldinger und sein Quintett.

Produktion: Will Tremper Film GmbH, Berlin. Herstellungsleitung: Felix Hock.

Arbeitstitel (neben anderen): „Schlaraffia an der Spree“, „Schlaraffia in Berlin“, „Berlin ist eine Sünde wert“.

Erstverleih: Will Tremper Film GmbH.

Uraufführung: 23. Juni 1966, Berlin, Gloria-Palast.


Nach Drehbüchern zu Filmen wie „Die Halbstarken“ und „Endstation Liebe“ war Will Tremper (1928-1998) in den Sixties mit seinen eigenen Arbeiten „Flucht nach Berlin“ und „Die endlose Nacht“ (jeweils Produktion, Regie, Buch) zu einem der wichtigsten westdeutschen „Jungfilmer“ aufgestiegen. Auch „Playgirl“ drehte der prominente Journalist 1965 auf eigene Faust, auf eigenes Risiko mit eigenem und zusammengepumptem Geld und in der ihm eigenen, unkonventionellen Art: Ohne richtiges Drehbuch, oft improvisiert, natürlich nur auf den Straßen und in echten Räumen, mit vielen Freunden und Bekannten, ganz geleitet von seiner Faszination für seine junge Hauptdarstellerin Eva Renzi und für seine Wahlheimat Berlin.

Eva Renzi, seinerzeit Anfang zwanzig, spielt ein erfolgreiches Model (oder, wie man damals sagte, Mannequin), das nach West-Berlin kommt. Hier will sich die junge Frau endlich den großen Unternehmer angeln, mit dem sie in Rom eine kurze Affaire hatte (Paul Hubschmid). Der ist von ihr jedoch wenig begeistert und versucht, sie an seine rechte Hand (Harald Leipnitz) abzuschieben.

Die Story ist für Tremper aber nur ein Aufhänger, um möglichst viel von dem unterzubringen, was er an Berlin toll und bemerkenswert findet. Und natürlich lauter Tremper-typische Szenen von so schnoddrigem Humor und solcher Lebensnähe zu schaffen, wie es sie im deutschen Film bis heute leider nur selten gibt.

Zu den Drehorten des Films, dessen Verleih Tremper schließlich auch noch übernahm, zählten das Olympiastadion und das Olympia-Schwimmstadion, der Stuttgarter Platz und das gerade wiederaufgebaute Schloß Charlottenburg, der Ernst-Reuter-Platz, der Halensee, die Avus, natürlich der Ku’damm, eine Pension in der Fasanenstraße, die Wilmersdorfer Straße am heutigen Adenauerplatz, der Kempinski Grillroom, die ganz neue Philharmonie, der unglaubliche popelige „Düsenflughafen“ Tegel, die Mauer in der Willhelmstraße, Checkpoint Charlie, das teils noch im Bau befindliche Haus des Axel-Springer-Verlags und das echte Büro von Axel Springer (dem die Figur des Unternehmers und Frauenhelden auch nachempfunden war).

Kurzum: Pralles Leben, flotte Sprüche, erotische Verwirrungen (damals FSK 18, vierzig Jahre später dann FSK 6), schicke Klamotten, scharfes Ambiente und Nouvelle Vague auf deutsch im Berlin des Jahres 1965 – und das alles mit Musik von Peter Thomas!

Wie sehr Tremper damals als wichtiger Teil des „neuen“ Kinos wahrgenommen wurde, zeigt auch der Umstand, daß „Playgirl“ 1966 in der „Filmkritik“ gleich dreimal besprochen wurde: von Enno Patalas, Uwe Nettelbeck und Dietrich Kuhlbrodt, die sich über den Film und seinen Wert stritten. In einer weiteren, umfangreichen Rezension in der „Zeit“ (Nr. 37/1966) befand Nettelbeck, „Playgirl“ wäre „neben Alexander Kluges ‚Abschied von Gestern’ das Beste, was der junge deutsche Film bisher hervorgebracht hat“.


Unser Flyer zu dieser Rarität. Sie dürfen ihn gern herunterladen, ausdrucken, verteilen oder einrahmen und an die Wand hängen.

Mehr zu dem Film hierhier und hier.


Der Film läuft auch als Hinweis auf die neue Reihe „Von Halbstarken bis Hippies – Jungsein in den 50er und 60er Jahren“, die am 23. Februar 2026 im Cosima-Filmtheater mit „Die Halbstarken“ startet.





VORSCHAU: Am Montag, 16. März 2026 um 17.30 Uhr präsentieren wir nochmals den 1970/1971 entstandenen letzten Film von Ingrid Reschke, der ersten Frau, die bei der DEFA abendfüllende Spielfilme für Erwachsene inszenieren konnte und die am 13. März 2026 neunzig Jahre alt geworden wäre: Kennen Sie Urban?, eine sozialistische Coming-of-Age-Story über einen jungen, straffällig gewordenen Ost-Berliner, der einen älteren Bekannten sucht, den er zu seinem Vorbild auserkoren hat. Dazu zieht er durch die DDR –  bis ihn eine selbstbewußte junge Frau erobert. Das Szenarium schrieb Ulrich Plenzdorf.


RÜCKBLICK: Wir präsentierten nochmals im

Oktober 2023: Endstation Liebe (der neue Flyer hier)

November 2023: Das siebente Jahr (der neue Flyer hier)

Dezember 2023: Plastikfieber (der neue Flyer hier)

Januar 2024: Ganovenehre (der neue Flyer hier)

Februar 2024: Ein Polterabend (der neue Flyer hier)

März 2024: Verwirrung der Liebe (der neue Flyer hier)

April 2024: Zwei unter Millionen (der neue Flyer hier)

Mai 2024: Tatort Berlin (der neue Flyer hier)

Juni 2024: Flucht nach Berlin (der neue Flyer hier)

Juli 2024: Zugverkehr unregelmäßig (der neue Flyer hier)

August 2024: Es (der neue Flyer hier)

September 2024: Make Love Not War – Die Liebesgeschichte unserer Zeit (der neue Flyer hier)

Oktober 2024: Wir lassen uns scheiden (der neue Flyer hier)

November 2024: Gejagt bis zum Morgen (der neue Flyer hier)

Dezember 2024: Tätowierung (der neue Flyer hier)

Januar 2025: Hochzeitsnacht im Regen (der neue Flyer hier)

Februar 2025: Rotation (der neue Flyer hier)

März 2025: z.B. ... Otto Spalt (der neue Flyer hier)

April 2025: Berliner Ballade (der neue Flyer hier)

Mai 2025: Lots Weib (der neue Flyer hier)

Juni 2025: Dämmerung – Ostberliner Bohème der fünfziger Jahre (der neue Flyer hier)

Juli 2025: Zwei in einer großen Stadt (der neue Flyer hier)

August 2025: Asphalt (der neue Flyer hier)

September 2025: Leichensache Zernik (der neue Flyer hier)

Oktober 2025: Engel aus Eisen (der neue Flyer hier)

November 2025: Wedding (der neue Flyer hier)

Dezember 2025: Die endlose Nacht (der neue Flyer hier)

Januar 2026: Quartett im Bett (der neue Flyer hier)




 

 

Bilder: Moviemax.