„Berlin-Film-Katalog präsentiert nochmals“
Seit Juni 2012 präsentierte Berlin-Film-Katalog allmonatlich im Weißenseer Brotfabrikkino eine Berlin-Film-Rarität, im September 2023 zum 120. Mal. Höchste Zeit, auch einmal andernorts zu zeigen, welch reiches Angebot unterschiedlichster Spiel- und Dokumentarfilme aus Ost und West, dem noch nicht geteilten und dem wiedervereinten Deutschland in dieser Reihe bisher schon zu sehen war.
Seit Oktober 2023 wird daher einmal im Monat eine Berlin-Film-Rarität, die vor längerer Zeit im Brotfabrikkino zu sehen war, noch einmal im Anfang Juli 2023 – nach umfassender Renovierung und Modernisierung – wiedereröffneten Cosima-Filmtheater in Friedenau/Wilmersdorf gezeigt. Fester Termin dafür ist der dritte Montag eines jeden Monats, 17.30 Uhr. Es gibt nur eine Aufführung, und diese jeweils mit einer Einführung.
Das Cosima-Filmtheater befindet sich in der Sieglindestraße 10, direkt am Varziner Platz und direkt am S- und U-Bahnhof Bundesplatz, in 12159 Berlin. Eintritt: 8-12 Euro.
Am Montag, 20. April 2026 um 17.30 Uhr läuft im Cosima-Filmtheater (mit einer Einführung):
Entlassen auf Bewährung
DDR 1965 – 90 Min. (2463 m) – 35 mm (1:1,85) – Schwarzweiß
Regie: Richard Groschopp. Drehbuch: Gert Billing, Richard Groschopp. Kamera: Rolf Sohre. Szenenbild: Alfred Tolle. Ausführung: Alfred Schulz, Senta Ochs. Musik: Günter Hauck. Kostüme: Günter Schmidt. Masken: Willi Gesche, Irmgard Lippmann. Ton: Günter Dallorso. Schnitt: Anneliese Hinze-Sokoloff. Regie-Assistenz: Gerda Eggers-Ebert. Filmfotografin: Waltraud Pathenheimer, Eberhard Schweda. Aufnahmeleitung: Christian Urban, Wolfgang Bertram.
Darsteller: Heinz Klevenow, Angelica Domröse, Helga Göring, Krista-Siegrid Lau, Volkmar Kleinert, Erik Veldre, Karl Sturm, Gudrun Ritter, Ingeborg Ottmann, Karl Kendzia, Hans Hardt-Hardtloff, Helga Raumer, Otto Mellies, Bärbel Bolle, Erich Brauer, Johanna Clas, Axel Dietrich, Egon Geissler, Gerhard Hänsel, Traudl Kulikowsky, Maximilian Larsen, Hans Maikowski, Günter Meier, Siegfried-Michael Ressel, Lothar Schellhorn, Günter Sonnenberg u.a.
DEFA-Studio für Spielfilme, Gruppe konkret. Produktionsleitung: Anni von Zieten.
Festliche Uraufführung: 17. Juni 1965, Frankfurt/Oder, Lichtspieltheater der Jugend (im Rahmen der Arbeiterfestspiele der DDR).
Premiere: 18. Juni 1965, Berlin, Kino International.
Richard Groschopps „Entlassen auf Bewährung“ wird gemeinhin bloß als lose
Fortsetzung seines bekannteren Films „Die Glatzkopfbande“ (1962) beachtet. Womöglich war diese Geringschätzung – und die (fälschliche) Einordnung als „nur ein Krimi“ sowie der Umstand, daß der Film Ende 1965 aus den Kinos schon wieder weitgehend verschwunden war – auch ein wesentlicher Grund dafür, daß „Entlassen auf Bewährung“ der Verbotswelle entging, die auf das berüchtigte 11. Plenum des ZK der SED folgte, das kurz vor Weihnachten 1965 stattgefunden hatte.
Denn in dem Ost-Berlin der damaligen Gegenwart, in das der junge Protagonist dieses Films (Heinz Klevenow) auf Bewährung aus dem Gefängnis entlassen wird, ist er die gesamte Zeit über weitgehend auf sich allein gestellt. Staatliche Unterstützung gibt es über die Zuweisung eines Arbeitsplatzes und eines möblierten Zimmers hinaus kaum, von „entwickelten sozialistischen Persönlichkeiten“ ist wenig zu sehen. Im Gegenteil werden die meisten Menschen von Mißtrauen, Mißgunst, Vorurteilen, Egoismus, Materialismus, auch Standesdünkeln bestimmt. Die einzige Person, die zu dem jungen Mann hält, ist seine Freundin (Angelica Domröse) – die sich so aber nicht ihrer Weltanschauung wegen verhält, sondern nur aus Liebe. Und auch dieser jungen Frau steht niemand helfend zur Seite. Die Vertreter von Justiz und Polizei wirken unnahbar, von der allmächtigen Partei ist schon gar nichts zu sehen. Weitgehend könnte sich die Geschichte genauso gut im Westen abspielen.
Dem damaligen internationalen Filmtrend entsprechend, ist das Ende recht offen – womit auch das negative Verhalten der allermeisten Figuren nicht dadurch „entschärft“ wird, daß man deren Wandel zum Besseren zeigt: Die DDR bleibt ein ungemütlicher Ort mit nur ganz wenig, ganz vager Hoffnung.
So ist „Entlassen auf Bewährung“ ein typischer Vertreter der um einen konstruktiv-kritischen Blick auf die DDR-Gegenwart bemühten DEFA-Produktionen jener Jahre und jener zaghaften Liberalisierung, die nach dem Mauerbau eingesetzt hatte und die Ende 1965 schon wieder abgewürgt wurde.
Wir präsentieren den Film nochmals anläßlich des 85. Geburtstags von Angelica Domröse, den diese am 4. April feiern kann. Bereits am Ostermontag, 6. April 2026 um 17.30 Uhr zeigen wir Günter Reischs Gaunertragikomödie Ein Lord am
Alexanderplatz, in dem sie 1966/1967 eine Hauptrolle spielte, an der Seite von
Erwin Geschnonneck, Armin Mueller-Stahl und Monika Gabriel.
Unser Flyer zu dieser nochmals präsentierten Rarität. Sie dürfen ihn gern herunterladen, ausdrucken, verteilen oder einrahmen und an die Wand hängen.
Mehr zu dem Film hier, hier, hier und hier.
Der Film läuft auch als Hinweis auf die neue Reihe „Von Halbstarken bis Hippies – Jungsein in den 50er und 60er Jahren“, die am 30. März 2026 um 17.30 Uhr im Cosima-Filmtheater fortgesetzt wird mit „Himmel ohne Sterne“.
VORSCHAU: Am Montag, 18. Mai 2026 um 17.30 Uhr präsentieren wir nochmals Der Mann im Pyjama (1981), Christian Rateukes und Hartmann Schmiges Komödie über eine turbulente Nacht in Berlin mit Otto Sander (in der Titelrolle eines Mannes, der spätabends nur nochmal schnell Zigaretten holen gehen will), Peter Fitz und Elke Sommer.
RÜCKBLICK: Wir präsentierten nochmals im
Oktober 2023: Endstation Liebe (der neue Flyer hier)
November 2023: Das siebente Jahr (der neue Flyer hier)
Dezember 2023: Plastikfieber (der neue Flyer hier)
Januar 2024: Ganovenehre (der neue Flyer hier)
Februar 2024: Ein Polterabend (der neue Flyer hier)
März 2024: Verwirrung der Liebe (der neue Flyer hier)
April 2024: Zwei unter Millionen (der neue Flyer hier)
Mai 2024: Tatort Berlin (der neue Flyer hier)
Juni 2024: Flucht nach Berlin (der neue Flyer hier)
Juli 2024: Zugverkehr unregelmäßig (der neue Flyer hier)
August 2024: Es (der neue Flyer hier)
September 2024: Make Love Not War – Die Liebesgeschichte unserer Zeit (der neue Flyer hier)
Oktober 2024: Wir lassen uns scheiden (der neue Flyer hier)
November 2024: Gejagt bis zum Morgen (der neue Flyer hier)
Dezember 2024: Tätowierung (der neue Flyer hier)
Januar 2025: Hochzeitsnacht im Regen (der neue Flyer hier)
Februar 2025: Rotation (der neue Flyer hier)
März 2025: z.B. ... Otto Spalt (der neue Flyer hier)
April 2025: Berliner Ballade (der neue Flyer hier)
Mai 2025: Lots Weib (der neue Flyer hier)
Juni 2025: Dämmerung – Ostberliner Bohème der fünfziger Jahre (der neue Flyer hier)
Juli 2025: Zwei in einer großen Stadt (der neue Flyer hier)
August 2025: Asphalt (der neue Flyer hier)
September 2025: Leichensache Zernik (der neue Flyer hier)
Oktober 2025: Engel aus Eisen (der neue Flyer hier)
November 2025: Wedding (der neue Flyer hier)
Dezember 2025: Die endlose Nacht (der neue Flyer hier)
Januar 2026: Quartett im Bett (der neue Flyer hier)
Februar 2026: Playgirl (der neue Flyer hier)
März 2026: Kennen Sie Urban? (der neue Flyer hier)
Bilder: DEFA-Stiftung/Waltraut Pathenheimer.
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