„Berlin-Film-Katalog präsentiert nochmals“
Seit Juni 2012 präsentierte Berlin-Film-Katalog allmonatlich im Weißenseer Brotfabrikkino eine Berlin-Film-Rarität, im September 2023 zum 120. Mal. Höchste Zeit, auch einmal andernorts zu zeigen, welch reiches Angebot unterschiedlichster Spiel- und Dokumentarfilme aus Ost und West, dem noch nicht geteilten und dem wiedervereinten Deutschland in dieser Reihe bisher schon zu sehen war.
Seit Oktober 2023 wird daher einmal im Monat eine Berlin-Film-Rarität, die vor längerer Zeit im Brotfabrikkino zu sehen war, noch einmal im Anfang Juli 2023 – nach umfassender Renovierung und Modernisierung – wiedereröffneten Cosima-Filmtheater in Friedenau/Wilmersdorf gezeigt. Fester Termin dafür ist der dritte (im November 2026 ausnahmsweise der vierte) Montag eines jeden Monats, 17.30 Uhr. Es gibt nur eine Aufführung, und diese jeweils mit einer Einführung.
Das Cosima-Filmtheater befindet sich in der Sieglindestraße 10, direkt am Varziner Platz und direkt am S- und U-Bahnhof Bundesplatz, in 12159 Berlin. Eintritt: 8-12 Euro.
Am Montag, 19. Oktober 2026 um 17.30 Uhr läuft im Cosima-Filmtheater (mit einer Einführung und einem Gespräch mit Peter Timm):
Meier
BRD 1985/1986 – 99 Min. (2717 m) – 35 mm (1:1,66) – Schwarzweiß
Regie, Buch: Peter Timm. Kamera: Klaus Eichhammer. Musik: Peter Goldfuß [d.i. Günther Fischer]. Ton: Jochen Schwarzat. Mischung: Hartmut Eichgrün. Ausstattung: Martin Dostal. Kostüme: Petra Kray. Schnitt: Corinna Dietz, Petra Mantoudis. Regie-Assistent: Volker Arend. Herstellungs- und Produktionsleitung: Herbert Rimbach. Gesamtleitung: Alena Rimbach. Redaktion: Werner Sommer. Filmgeschäftsführung: Ulrich Adomat. 1. Aufnahmeleitung: Günther Russ. 2. Aufnahmeleitung: Jörg Grossmann. Produktions-Assistenz: Klaus Bauschulte. Produktions-Sekretariat: Heike Weidler. Regie-Assistenz: Volker Arend. Script: Elke Kahlow. Kamera-Assistenz: Reiner Lauter, Folkert Oehme. Standfotos: Claudette Barius. Ton-Assistenz: Jimmy Corcoran. Schnitt-Assistenz: Pia Orlando, Lesja Zajac, Angela Freyer. Requisite: Claus Beiser, Edgar Hinz. Garderobe: Margitta Ahlert. Maske: Eberhard Neufink, Ellen Weiss. Komparsen-Casting: Monika Kölling. Bauten: Bel Tec. Licht: Ulli Lotze, Dirk Vossmerbäumer, Dieter Seidel. Kamera-Bühne: Heinz Klein. Produktions-Fahrer: Wolfgang Starck, Karin Sauerbrei. Catering: Heidrun Schmand.
Darsteller: Rainer Grenkowitz, Nadja Engelbrecht, Alexander Hauff, Thomas Bestvater, René Grams, Susanne Schiffmann-Grabe, Dagmar Biener, Dieter Hildebrandt, Joachim Kemmer, Horst Punnow, Wolfgang Nusche, Edith Teichmann, Jürgen Klauss Ilse Ranft, Kurt Ackermann, Johanna Karl-Lory, Klaus Münster, Eberhard Prüter, Hans-Jürgen Wolf, Charlotte Adami, Tamara Rohloff, Clement de Wroblewsky, Elke Knittel, Bernd Ludwig, Bernd Vollbrecht, Steffen Laube, Gerry Beltz Show-Band.
Eine Gemeinschaftsproduktion der Pro-ject Filmproduktion im Filmverlag der Autoren GmbH & Co. Produktions KG mit Popular Film GmbH Hans. H. Kaden und Maran Film GmbH und mit Unterstützung des Kuratoriums Junger Deutscher Film.
Erstverleih: Filmverlag der Autoren.
Eigentlich möchte Eduard „Ede“ Meier, junger Leiter einer Tapeziererbrigade in Ost-Berlin, nur mal eine Weltreise machen. Eine Erbschaft im Westen und der davon ebenfalls bezahlte Fluchthelfer ermöglichen es ihm. Danach will er zu seiner Freundin und seinen Freunden, seinem Arbeitsplatz und seinem ganzen bisherigen Leben zurückkehren. Doch als er als West-Berliner nach Ost-Berlin fährt, begeht er einen Fehler und muß nun immer wieder bis um Mitternacht in den Westen zurückkehren. Noch komplizierter wird seine Situation, als er einen privaten Versuch startet, den DDR-typischen Mangel an erträglichen Tapeten zu bekämpfen: Rauhfaser gegen schauderhafte Muster.
1973 war der gebürtige Berliner Peter Timm, Jahrgang 1950, aus dem Osten in den Westen gekommen. In seinem 1985/1986 entstandenen Erstling schilderte er nicht nur, Kritik am SED-Staat wie sich ein junger Berliner in der normalen Anormalität seiner geteilten Stadt verheddert. Die Ost-West-Komödie, zu der Timm auch das Drehbuch schrieb, bot ihm zugleich Gelegenheit, den Alltag unter der SED-Diktatur spöttisch darzustellen – und damit jene DDR-Satire zu drehen, die in der DDR nicht möglich gewesen wäre. Trotz der trüben Erfahrungen, die er mit seiner „kleinen Dissidentenlaufbahn“ (Zitat aus dem „Meier“-Presseheft von 1986) hatte sammeln müssen, ist die Kritik am SED-Staat weder grimmig noch grob überzeichnet – eher fragt man sich, ob manche Spitze vom westlichen Publikum verstanden oder überhaupt bemerkt wurde. Und auch der Westen blieb nicht ungeschoren – allen voran West-Berliner, die in ihrer Ignoranz nicht verstehen, wie jemand freiwillig im Osten leben kann.
Peter Timm erhielt für „Meier“ 1987 den Ernst-Lubitsch-Preis für die beste komödiantische Leistung im deutschen Film und den Bayerischen Filmpreis als bester Nachwuchsregisseur. Er begann damit eine erfolgreiche Karriere als Filmemacher, in der er zahlreiche Komödien schuf und sich auch immer wieder der Ost-West-Thematik widmete. Zu seinen Arbeiten zählen „Go Trabbi Go“, „Manta – Der Film“, „Rennschwein Rudi Rüssel“ (Teil 1 und Teil 2), „Dumm gelaufen“, „Der Zimmerspringbrunnen“ und „Liebe Mauer“.
Übrigens besaß nicht nur der Regisseur und Drehbuchautor ausgiebige „Ost-Erfahrung“: Nadja Engelbrecht war erst kurz, bevor sie in „Meier“ die weibliche Hauptrolle der Freundin des Titelhelden spielte, aus der DDR ausgereist.
Unser Flyer zu dieser Rarität. Sie dürfen ihn gern herunterladen, ausdrucken, verteilen oder einrahmen und an die Wand hängen.
Mehr zu dem Film hier, hier und hier.
VORSCHAU: Am Montag, 23. November 2026 (also ausnahmsweise erst am vierten Montag des Monats) um 17.30 Uhr präsentieren wir nochmals Ware für
Katalonien, einen zeittypischen DEFA-Krimi über Ost-West-Schmuggel, den
Richard Groschopp 1959 nach authentischem Geschehen inszenierte – mit für
ihn ungeahnten Folgen. In Hauptrollen: Eva-Maria Hagen und Hartmut Reck..
RÜCKBLICK: Wir präsentierten nochmals im
Oktober 2023: Endstation Liebe (der neue Flyer hier)
November 2023: Das siebente Jahr (der neue Flyer hier)
Dezember 2023: Plastikfieber (der neue Flyer hier)
Januar 2024: Ganovenehre (der neue Flyer hier)
Februar 2024: Ein Polterabend (der neue Flyer hier)
März 2024: Verwirrung der Liebe (der neue Flyer hier)
April 2024: Zwei unter Millionen (der neue Flyer hier)
Mai 2024: Tatort Berlin (der neue Flyer hier)
Juni 2024: Flucht nach Berlin (der neue Flyer hier)
Juli 2024: Zugverkehr unregelmäßig (der neue Flyer hier)
August 2024: Es (der neue Flyer hier)
September 2024: Make Love Not War – Die Liebesgeschichte unserer Zeit (der neue Flyer hier)
Oktober 2024: Wir lassen uns scheiden (der neue Flyer hier)
November 2024: Gejagt bis zum Morgen (der neue Flyer hier)
Dezember 2024: Tätowierung (der neue Flyer hier)
Januar 2025: Hochzeitsnacht im Regen (der neue Flyer hier)
Februar 2025: Rotation (der neue Flyer hier)
März 2025: z.B. ... Otto Spalt (der neue Flyer hier)
April 2025: Berliner Ballade (der neue Flyer hier)
Mai 2025: Lots Weib (der neue Flyer hier)
Juni 2025: Dämmerung – Ostberliner Bohème der fünfziger Jahre (der neue Flyer hier)
Juli 2025: Zwei in einer großen Stadt (der neue Flyer hier)
August 2025: Asphalt (der neue Flyer hier)
September 2025: Leichensache Zernik (der neue Flyer hier)
Oktober 2025: Engel aus Eisen (der neue Flyer hier)
November 2025: Wedding (der neue Flyer hier)
Dezember 2025: Die endlose Nacht (der neue Flyer hier)
Januar 2026: Quartett im Bett (der neue Flyer hier)
Februar 2026: Playgirl (der neue Flyer hier)
März 2026: Kennen Sie Urban? (der neue Flyer hier)
April 2026: Entlassen auf Bewährung (der neue Flyer hier)
Mai 2026: Der Mann im Pyjama (der neue Flyer hier)
Juni 2026: Der Biberpelz (der neue Flyer hier)
Juli 2026: Gedächtnis – Ein Film für Curt Bois und Bernhard Minetti (der neue Flyer hier)
August 2026: Geschichten jener Nacht (der neue Flyer hier)
September 2026: Verliebt und vorbestraft (der neue Flyer hier)
Bilder: Peter Timm.
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