Berlin-Film-Katalog
(in Vorbereitung)

Von HALBSTARKEN bis HIPPIES

An dieser Stelle weisen wir gern hin auf die Filmreihe VON HALBSTARKEN BIS HIPPIES – JUNGSEIN IN DEN 50ER UND 60ER JAHREN. Die Aufführungen finden nicht im Rahmen von Berlin-Film-Katalog statt, aber ebenfalls im Cosima-Filmtheater.



Von HALBSTARKEN bis HIPPIES
Jungsein in den 50er und 60er Jahren

Jugendbewegungen hatte es schon zuvor gegeben, doch selten haben junge Menschen so stark zu einer derart umfassenden und nachhaltigen Veränderung der Ge­sellschaft beigetragen wie in den ersten Jahrzehnten nach dem Zweiten Welt­krieg. In der westlichen Welt spielte dabei auch der enorm wachsende Wohlstand eine Rolle, dank des­sen bereits Teen­ager so viel Geld zur Verfügung hatten wie nie zuvor, weshalb be­gonnen wurde, speziell auf sie zugeschnittene (oder zumindest auf sie als Kon­su­menten zielende) Produkte herzustellen. Mit dem Wandel des Zeit­geistes und der gesellschaftlichen Leitbilder wurde Jugend­lichkeit zu ei­nem auch für ältere Generationen anzustrebenden Ziel, Jugend­moden avan­cierten zu einem wichtigen Orientierungspunkt, in der Alltagskultur wie der Kul­tur im engeren Sinne. Damit einher ging ein wachsendes Selbst­bewußt­sein der Jugend, welches rasch zur Konfrontation mit den Älteren führte und von die­sen als Rebellion und Problem wahrgenommen wurde – dies um so mehr durch den großen Anteil junger Menschen an der Bevölkerung und allen voran in Deutschland verschärft durch die Tatsache, daß sich viele der Älteren in den 30er und 40er Jahren mora­lisch diskreditiert hatten (oder ihnen dies zumindest unterstellt werden konnte).

Seit Februar 2026 zeigt das Cosima-Filmtheater am jeweils letzten Montag des Monats, immer um 17.30 Uhr, wie im Filmschaffen der 50er und 60er Jahre auf diese Entwick­lungen reagiert, wie die damalige Jugend und die Pro­bleme, die sie hatte oder machte, dargestellt wurden.

In jeden Film führt ein: Jan Gympel, Film­historiker und Kurator der Reihe.


Die nächsten Filme:


Montag, 26. Oktober 2026, 17.30 Uhr

Wenn die Conny mit dem Peter ...

BRD 1958 – 106 Min. – Schwarzweiß – R: Fritz Umgelter – B: Aldo von Pinel­li, Joachim Wedekind – K: Werner M. Lenz – M: Werner Scharfenberger – D: Cor­nelia Froboess, Peter Kraus, Rudolf Vogel, Loni Heuser, Peter Vogel, Ernst Stan­kovski, Thomas Fabian, Ralf Wolter, Gerd Vespermann, Heinz Weiss, Rex Gildo

Seit Cornelia Froboess 1951 als Siebenjährige mit dem Lied „Pack die Bade­hose ein“ zum Kinderstar geworden war, hatte sie Schallplatten aufgenommen und vor der Kamera gestanden. Ab 1957 wurde sie zum Teenageridol auf­gebaut, wobei es nahe lag, sie mit ihrem männlichen Pendant Peter Kraus zu­sammenzuspannen. Ihr erster gemeinsamer Film erzählt die nicht übermäßig ori­ginelle Geschichte eines schwerreichen Topmanagers (damals noch „Herr Ge­neraldirektor“), der sich entschließt, in dem von ihm gegründeten Internat einmal nach dem Rech­ten zu sehen, getarnt als Hausmeister. Natürlich ent­puppen sich die halb­wüchsigen Schüler als weit weniger ungezogen als von ei­ner ältlichen ver­biesterten Lehrerin in einem Brandbrief beklagt, und bei der Musik, die sie machen, handelt es sich auch weniger um die seinerzeit gern befehdeten „Urwaldklänge“ als um nette Schlager. Selbstverständlich lösen sich alle Kon­flikte und Probleme schließlich in Wohlgefallen auf. Der Regisseur Fritz Umgelter, der beim Fern­sehen weitaus größere Spuren hinterließ als mit seinen we­nigen Kinofilmen, inszenierte dies nach einem routiniert geschriebenen Dreh­buch als hübschen Unterhaltungsfilm mit Humor und natürlich viel Musik, der den langsam anschwellenden Generationskonflikt gezielt verharmlost. Cornelia Froboess, die während der Dreharbeiten fünfzehn wurde, wirkt wie – wie in ihren Teen­ager­jahren üblich – älter als sie war und zeigt sich bei Spiel, Tanz und Gesang bereits ganz als hochbegabter Profi.


Montag, 30. November 2026, 17.30 Uhr

Mein Mann, das Wirtschaftswunder

BRD 1960/1961 – 94 Min. – Schwarzweiß – R: Ulrich Erfurth – B: Dieter Hilde­brandt, Joachim Wichmann, Thomas Westa – K: Albert Benitz – M: Michael Jary – D: Marika Rökk, Fritz Tillmann, Cornelia Froboess, Heinz Erhardt, Helmuth Loh­ner, Adelheid Seeck, Friedrich Schoenfelder, Wolfgang Völz

Dieter Hildebrandt war um 1960 als Kabarettist bereits so prominent, daß Pro­duk­tion und Verleih diese turbulente Komödie groß als den ersten Film nach einem Drehbuch von ihm ankündigten. Man fragt sich allerdings, wieviel von diesem am Ende noch übriggeblieben war: Zeitkritische Spitzen oder geschlif­fene Dia­loge gibt es nur wenige in diesem flotten Traumfabrikprodukt, in dem ein Indu­strie­magnat eine Mutter für seine sehr kesse pubertierende Tochter sucht, die er berufsbedingt etwas vernachlässigt hat. Um sie für den Plan zu ge­winnen, möch­te er Ilona Farkas heiraten, einen großen Star, für den auch das Töchter­lein schwärmt. Allerdings war er mit der temperamentvollen Dame gera­de erst bei einer Flugreise aneinandergeraten. Diese nimmt das Angebot jedoch an, um ihm eine Lektion zu erteilen. – Fast fünfzigjährig, wird Marika Rökk in diesem in Berlin gedrehten Film als von jungen Leuten umschwärmtes Teen­ager­idol dar­gestellt und versucht in bewährter Manier, alle anderen an die Wand zu spielen. Cornelia Froboess, gerade einmal siebzehn, kann es mit ihr aller­dings auf­nehmen, auch in einer gemeinsamen Gesangs- und Tanznummer. Erstaunlicherweise spielt Heinz Erhardt – der längst bewiesen hatte, daß er auch Kinosäle füllen kann – hier nur eine Nebenrolle.


Montag, 28. Dezember 2026, 17.30 Uhr

Der Traum von Lieschen Müller

BRD 1961 – 92 Min. – Farbe – R: Helmut Käutner – B: Helmut Käutner, Willibald Eser – K: Günther Senftleben – M: Bernhard Eichhorn – D: Sonja Ziemann, Martin Held, Cornelia Froboess, Helmut Griem, Peter Weck, Georg Thomalla, Wolf­gang Neuss, Karl Schönböck, Bruno Fritz, Jo Herbst

Helmut Käutner, in den vierziger und fünfziger Jahren einer der bedeutendsten Filmemacher Deutschlands, hatte einst als Akteur und Autor beim Kabarett begonnen. Auch in seinen Filmen gab es immer wieder satirische Elemente und (Selbst-) Ironie. Mit dem Musical „Der Traum von Lieschen Müller“ schuf er 1961 einen der außergewöhnlichsten deutschen Filme jener Zeit: eine überbordende freche Satire um Karriereträume, Schein und Sein in der Ära des auf Hoch­touren laufenden Wirtschaftswunders, in Farbe und Scope, mit vielen Filmtricks,   extravaganten Szenenbildern und fulminanten Musiknummern. In der Geschich­te um Lieschen Müller, eine kleine, frustrierte Bankangestellte irgendwo in der Pro­vinz (Sonja Ziemann), die bei der Arbeit einnickt und davon träumt, wie sie per Hochstapelei zur reichen Erbin und Finanzierin Liz Miller gemacht wird, über­zeugt Cornelia Froboess als deren selbstbewußte Schwe­ster, die die Hälfte des fiktiven Erbes einklagt. – Leider war Käutner mit einer seiner avanciertesten Arbeiten seiner Zeit weit voraus: Nachdem der Film selbst beim Berliner Pre­mieren­publikum und den dortigen Kritikern auf wenig Verständnis gestoßen war, schnitt die Produzentin und Ver­leiherin Ilse Kubaschewski an „Der Traum von Lieschen Müller“ eigen­mächtig herum und brachte ihn un­ter dem Titel „Happy End im siebten Himmel“ neu heraus. Allerdings verhinderte auch dies nicht, daß der teure Film zu einem Verlustgeschäft wur­de. Daraufhin viele Jahre lang weit­gehend vergessen und nur noch äußerst sel­ten zu sehen, liegt er inzwischen digital restauriert vor, aber so noch nicht auf DVD oder ähnlichem.


Unser Flyer zu dieser Reihe im vierten Quartal 2026. Sie dürfen ihn gern herunterladen, ausdrucken, verteilen oder einrahmen und an die Wand hängen.

Unser Flyer zu dieser Reihe im dritten Quartal 2026. Sie dürfen ihn gern herunterladen, ausdrucken, verteilen oder einrahmen und an die Wand hängen.

Unser Flyer zu dieser Reihe im zweiten Quartal 2026. Sie dürfen ihn gern herunterladen, ausdrucken, verteilen oder einrahmen und an die Wand hängen.

Unser Flyer zu dieser Reihe im Februar und März 2026. Sie dürfen ihn gern herunterladen, ausdrucken, verteilen oder einrahmen und an die Wand hängen.