Berlin-Film-Katalog
(in Vorbereitung)

Rarität des Monats Oktober 2026

Die Auswahl an Berlin-Filmen, die in den Kinos wie im Fernsehen läuft, wird immer kleiner. Das Filmbild der Stadt wird dementsprechend von immer weniger Werken geprägt. Und immer mehr Berlin-Filme, darunter auch bedeutende, geraten in Vergessenheit.

Deshalb und um zu zeigen, daß Berlin-Film-Katalog nicht nur auf Geld wartet, gibt es den Jour fixe des selten gezeigten Berlin-Films: Seit Juni 2012 wird jeden Monat eine Berlin-Film-Rarität präsentiert.

Am 5. Oktober 2026 (Montag) um 17.30 Uhr läuft (mit einer Einführung):



Der Hauptmann von Köpenick

D 1931 – 107 Min. (2945 m) – 35 mm (1:1,19) – Schwarzweiß

Regie: Richard Oswald. Drehbuch: Carl Zuckmayer, Albrecht Joseph. Kamera: Ewald Daub. Musik: Anton Rubinstein. Schnitt: Max Brenner. Bauten: Franz Schroedter. Maske: Adolf Doelle. Garderobe: Walter Leder. Ton: Hans Grimm. Standphotos: Karl Ewald. Aufnahmeleitung: Walter Zeiske.

Darsteller: Max Adalbert (Wilhelm Voigt), Ernst Dernburg (Entlassungsbeamter), Willi Schur (Kallenberg, genannt Kalle), Paul Wagner (Hauptmann von Schlettow), Hermann Vallentin (A. Wormser, Uniformschneider), Emil Wabschke (Wabschke, Zuschneider bei Wormser), Peter Wolff (Willy, Wormsers Sohn), Fritz Beckmann (Schustermeister), Arthur Mainzer (Prokurist Knell), Heinrich Marlow (Revierkommissar), Heinz Sarnow (Dr. Jellinek), Edith Karin (Plörösenmieze), Gerhard Bienert (Gardegrenadier), Viktor Franz (älterer Zivilist), Henry Pleß (Schutzmann im Café National), Oskar Höcker (Schutzmann auf dem Revier), Paul Marx (Richter), Albert Florath  (Zuchthausaufseher), Manfred Hille (Bursche bei Hauptmann von Schlettow), Max Gülstorff (Dr. Obermüller), Hans Halden (Zuchthausdirektor), Ilse Fürstenberg (Marie Hoprecht, Voigts Schwester), Friedrich Kayßler (Friedrich Hoprecht, ihr Mann), Käte Haack (Frau Dr. Obermüller), Martha Ziegler (Fanny, Mädchen bei Obermüllers), Leonard Steckel (Krakauer, Trödler), Hans Waßmann (1. Bahnbeamter), Eugen Rex (2. Bahnbeamter), Kurt Lüpke (Gefreiter), Ernst Karchow (Passagier im Nichtraucherabteil), Hermann Speelmans (Wachtmeister Kilian), Paul Rehkopf (Landwirt), Ernst Wurmser (Polizeiinspektor), Fritz Odemar (Stadtkämmerer Rosenkrantz), Rudolf Blümner (Stadtrendant), Fred Goebel (Leutnant der Neuen Wache), Paul Otto (Oberst), Hans Leibelt (Mann der Litfaßsäule), Alfred Beierle (Paßkommissar), Heinrich Schroth (Polizeipräsident), Hermann Wlach (Entlassungsbeamter).

Produktion: G. P. Films, Roto-Film. Produzenten: Richard Oswald, Gabriel Pascal.

Erstverleih: Südfilm.

Uraufführung: 22. Dezember 1931, Berlin, Mozartsaal.


Am 16. Oktober 1906, also vor 120 Jahren, beging der Schuster Wilhelm Voigt jene Tat, durch die er als „der Hauptmann von Köpenick“ in die Geschichte einging (und zwar auch in die Literatur- und Filmgeschichte): Im Gewand eines preußi­schen Hauptmanns unterstellte er ein paar zufällig vorbeikommende Soldaten seinem Komman­do, besetzte mit ihnen das Rathaus der damals noch eigenstän­di­gen Stadt Köpenick, nahm den Bürgermeister und den Kassenrendanten fest, ließ sie nach Berlin brin­gen und bemächtigte sich der Stadtkasse. Bei all dem diente ihm als einzige Legitimation seine Uniform, was im In- und Ausland als eindrucksvolles, für manche auch erschreckendes Beispiel für die Zustände und den Geist betrachtet wurden, die im deutschen Kaiserreich herrschten.

Zu dem Jubiläum präsentiert Berlin-Film-Katalog nicht die heute bekannteste Filmversion mit Heinz Rühmann in der Titelrolle, sondern die erste Adaption von Carl Zuckmayers Theaterstück. Sie entstand 1931, praktisch unmittelbar nachdem das „deutsche Märchen“ (so der Untertitel) im März 1931 am Deutschen Theater Berlin uraufgeführt worden war, und unter Mitwirkung des Dramatikers am Drehbuch. Die Regie führte mit Richard Oswald ein viel­beschäf­tigter und -beachteter Filmemacher der Weimarer Republik, der nichtsdestoweniger nach seiner Flucht vor den Nazis weitgehend in Vergessenheit geriet. In der Titelrolle brillierte der seinerzeit bekannte Komiker Max Adalbert, der diese auch auf der Büh­ne spielte (er hatte sie am Deutschen Theater von Werner Krauß übernommen).

Zu den zahlreichen weiteren Spielfilmen, die den Fall aufgriffen, gehört auch eine, die Oswald 1941 im amerikanischen Exil drehte, nach einem Drehbuch, an dem wie schon 1931 der Zuckmayer-Freund Albrecht Joseph mitgearbeitet hatte. Albert Bassermann verkörperte die Hauptrolle.

Der 1956 unter Helmut Käutners Regie gedrehte Rühmann-Film übernahm ganze Szenen recht genau aus der 1931er-Version und verzichtete darauf, eine Verbindung zu dem inzwischen Geschehenen herzustellen. Zuckmayers Stück und dessen erste Leinwandadaption waren quasi auf halber Strecke des deutschen Unglückswegs  entstanden: Sie zeigten, welch bedrückender Obrigkeitsstaat das deut­sche Kaiserreich war, wie in diesem das Militär ein Eigenleben führte und letzt­lich über dem allge­mei­nen Recht stand, ein System, das in die Katastrophe des Ersten Weltkriegs führte, dem – da die dafür Verantwortlichen wieder die Oberhand gewan­nen – die noch größere Katastrophe des Nationalsozialismus und seines Zweiten Weltkriegs folgte.

Wenngleich dem Film wie der Vorlage von linken Kreisen vorgeworfen wurde, die politische Dimension des Falls nicht genügend auszuloten und zu unkritisch zu bleiben (derweil Stück wie Film von rechts angegriffen wurden), taugt der Streifen dennoch als wirksame Erinnerung daran, welche Zustände im heute gern nostalgisch verklärten Kaiserreich wirklich herrschten.


Unser Flyer zu dieser Rarität. Sie dürfen ihn gern herunterladen, ausdrucken, verteilen oder einrahmen und an die Wand hängen.

Mehr zu diesem Film hier und hier.


Wir lachten, lachten; alle.
Und waren hinterher doppelt froh, daß man, während die Heiterkeit entfesselt war, des Lachens Anlaß nicht zu vergessen brauchte.

Hans Feld, Film-Kurier vom 23. Dezember 1931




 

Quellen der filmographischen Angaben: Länge, Erstverleih, Uraufführung: Film-Kurier vom 19.12.1931. Musik: Originalvorspann. Alle anderen Angaben: https://www.filmportal.de/film/der-hauptmann-von-koepenick_942f194c023c426ca5772a2ddcce7d4c (zuletzt besucht am 24.9.2026).

Photos: DFF.