Berlin-Film-Katalog

(in Vorbereitung)

Die Rarität des Monats Juni 2022

Die Auswahl an Berlin-Filmen, die in den Kinos wie im Fernsehen läuft, wird immer kleiner. Das Filmbild der Stadt wird dementsprechend von immer weniger Werken geprägt. Und immer mehr Berlin-Filme, darunter auch bedeutende, geraten in Vergessenheit.
Deshalb und um zu zeigen, daß Berlin-Film-Katalog nicht nur auf Geld wartet, gibt es den Jour fixe des selten gezeigten Berlin-Films: Seit Juni 2012 wird jeweils am zweiten Montag im Monat im Brotfabrikkino eine Berlin-Film-Rarität präsentiert.

Am 9. und 10. sowie vom 12.-15. Juni 2022 jeweils um 19 Uhr (am 13. mit einem Gespräch mit Rafael Fuster Pardo) lief


In der Wüste

BRD 1985-1987 – 73 Min. (807 m) – 16 mm (1:1,375) – Farbe

Regie, Kamera, Schnitt: Rafael Fuster Pardo. Drehbuch: Horst Stasiak nach der gleichnamigen Erzählung von Antonio Skármeta. Originalton: Michael de Groot,
Juan Jose Fuster Pardo. Regieassistenz, Schnittassistenz: Hermann-Josef Greuel. Kameraassistenz, 2. Livekonzert Kamera: Edi Hartmann. Beleuchtung und Bühne,
3. Livekonzert Kamera: Jaime B. Navarro. Aufnahmeleitung, 3. Livekonzert Kamera: Horst Stasiak. 2. Aufnahmeleitung und Kamerafahrten: Stefan Deutschmann. Best Boy: Dieter Bartsch. 2. Kamerafahrer: Christoph Janz. Nachdreh-Script: Gottfried Spener. Tonmischung: Martin Steyer. Negativschnitt: Barbara Kupferer.

Darsteller: Claudio Caceres Molina (Fernando), Mustafa Saygili (Timur), Adriana Altaras (Anna), Meric Temucin (Sema), Walter Alich (Fahrer), Henri Jahny (Krankenhauspförtner), Ester Andradi (Ärztin), Hannelore Elskamp (Krokodilverkäuferin), Uwe Otterbein (Discoeinlasser), Heinz Wegner (alter Kaufmann), Jocelyn Bernadette Smith (Jocelyn), Giorgio Carioti (Clubinhaber), Eva Steidel (Fahrerin), Gino (Wirt in Pizzeria), Horst Stasiak (Mann in Pizzeria), Michael de Groot (Kunde im Kaufhaus), Stefan Deutschmann (Gast in Kneipe), Gerhard Boomgarden, Manuel Karpinski, Erik Naumann, Franziska Reichelt (alle: Discobesucher), Hermann-Josef Greuel (Berber), Anna Villa (Kassiererin in Club), Gigi Villa (1. Barmann), Somasiri Jayawardena (2. Barmann), Achim Hänffler (Jocelyns Band, Baß-Gitarre), Tom Schwarz (Jocelyns Band, Gitarre), Stefan Oberländer (Jocelyns Band, Saxophon), Ben Musol (Jocelyns Band, Schlagzeug), Adrian Jordi (Jocelyns Band, Tasteninstrumente), Chris Lewis (Jocelyns Band, Tasten und Gesang).

Dank an Giorgio vom Quasimodo, Manuel Karpinski, Karstadt AG, Lupe 1, Salsa, Save Sex Discothek und allen anderen ...

Produktion: DFFB. Produktionsleitung: Hans Willy Müller.

Uraufführung: 22. Januar 1987, Saarbrücken (Max-Ophüls-Preis).

Erstverleih: Oase.


Die „Wüste“ West-Berlin durchqueren ein Chilene und ein Türke, die arbeits- und mittellos gemeinsam in einer Bruchbude hausen, um beim Blutspenden ein paar Mark zu verdienen. Damit bezahlen sie ein Essen, eine Taxifahrt sowie einen Abend mit der Freundin des einen und mit deren Arbeitskollegin.

Als Rafael Fuster Pardo, der 1961 zehnjährig mit seinen Eltern aus Barcelona nach Deutschland gekommen war, Mitte der achtziger Jahre sein Studium an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin abschließen wollte, wurden ihm einige Steine in den Weg gelegt. Schließlich drehte er im November und Dezember 1985 dieses Alltagsdrama nach einer Erzählung von Antonio Skármeta, die allerdings – obwohl der chilenische Autor auch jahrelang in Berlin lebte – in New York spielt und von Fuster Pardos Kommilitonen Horst Stasiak geschickt auf die Verhältnisse im West-Berlin der damaligen Gegenwart übertragen worden war. Die Handlung umfaßt lediglich einen Zeitraum von vielleicht vierundzwanzig Stunden.

Schon der Umstand, daß für die Produktion nur die lächerliche Summe von 36.000 Mark zur Verfügung stand, sorgte für einen realitätsnahen Film, der an authentischen Schauplätzen, mit Originalton und zahlreichen Laien gedreht wurde und auf diese Weise viel vom damaligen Leben im Westteil der Stadt einfing. Die Photographie besorgte dabei, ebenso wie den Schnitt, der Regisseur selbst.

Trotz vieler positiver Kritiken und einer Auszeichnung beim Festival um den Max-Ophüls-Preis wurden Rafael Fuster Pardos Mut und Können nicht belohnt: „In der Wüste“ fand keinen Verleih (schließlich wurde eigens einer gegründet, um den Film wenigstens in ein paar Kinos zu bringen), das Fernsehen ignorierte ihn und er geriet weitgehend in Vergessenheit. Diesem beeindruckenden Talentbeweis zum Trotz konnte sein Schöpfer nur wenige weitere Arbeiten drehen. Erst 2022 wurde „In der Wüste“ auf der Berlinale (dessen Internationales Forum des Jungen Films den Streifen dreieinhalb Jahrzehnte zuvor nicht hatte haben wollen) als Wiederentdeckung gefeiert.


Unser Flyer zu dieser Rarität. Sie dürfen ihn gern herunterladen, ausdrucken, verteilen oder einrahmen und an die Wand hängen.





Quellen der filmographischen Angaben: Filmlänge, Uraufführung: https://www.filmportal.de/film/in-der-wueste_9fc7451d756e4904ab1c3a51e5ab1be6 (besucht am 1.6.2022). Bildformat: https://dffb-archiv.de/dffb/der-wueste (besucht am 1.6.2022). Erstverleih: Tip Nr. 22/1987. Alle anderen Angaben: Originalvor- und -abspann.

Photos: DFFB.