Berlin-Film-Katalog

(in Vorbereitung)

Die Rarität des Monats Oktober 2021

Die Auswahl an Berlin-Filmen, die in den Kinos wie im Fernsehen läuft, wird immer kleiner. Das Filmbild der Stadt wird dementsprechend von immer weniger Werken geprägt. Und immer mehr Berlin-Filme, darunter auch bedeutende, geraten in Vergessenheit.

Deshalb und um zu zeigen, daß Berlin-Film-Katalog nicht nur auf Geld wartet, gibt es den Jour fixe des selten gezeigten Berlin-Films: Seit Juni 2012 wird jeweils am zweiten Montag im Monat im Brotfabrikkino eine Berlin-Film-Rarität präsentiert.

Vom 11.-13. Oktober 2021 jeweils um 18 Uhr (am 11. in Anwesenheit von René Perraudin) läuft


z.B. ... Otto Spalt

BRD 1978-1987 – 100 Min. (2728 m), auf DVD 95 Min. – 35 mm (1:1,66) – Farbe und Schwarzweiß

Regie, Buch: René Perraudin. Konzeption: Reiner Borgmann, Erich Lutz, Werner Nitschke, René Perraudin. Kamera: Werner Nitschke, René Perraudin. Musik: Klaus Doldinger. Schnitt: René Perraudin, Barbara Kunze. Ausstattung: Olga von Wahl, Adrian Ochse, Balduin Tolle. Bauten: Wolfgang Hermes, Herman Hola, Manfred Koch. Kostüme: Christine Domkowski, Olga von Wahl. Maske: Roland Krämer, Dörte Eben, Michael Meichle. Special Effects: Werner Nitschke, Christiane May, Günter Horvarth. Trickbearbeitung: Gerhard Hesse, René Perraudin. Aufnahmeleitung: Kristine Kretschmer, Anna Kersting. Herstellungsleitung: Renée Gundelach. Regieassistenz: Reiner Borgmann, Anke Oehme. Kameraassistenz: Heide Spessert, Klemens Becker. Schnittassistenz: Corinna Onasch, Sabina Matula. Tonmeister: Erich Lutz, Wolfgang Schukrafft, Randolf Goldbach. Tonassistenz: Nico van Dijk. Tonmischung: Ralf Krause. Musik-Tonmeister: Tommi Klemt. Licht: Michael Schuff, Heiner Mühlenbrock. Negativschnitt: Elke Granke. Catering: Fernando Perrone, Elke Matz, Miriam Lauber. Fahrer: Susanne Herrmannsdörfer, Günther Fenner, Erhard Götz. Geräteverleih: Onasch Filmtechnik. Atelier: Havelstudio VT-TV. Trickateliers: Cinetrick Hamburg, Hesse-Trick, Wagi-Filmstudio. Tonmischung: Hansa-Studios. Musikaufnahmen: Soundport Studios. Kopierwerke: Film- und Videoprint, Geyer-Berlin. Redaktion: Lothar Kompatzki (SFB), Hans Kwiet (SFB), Jürgen Tomm (SFB), Eberhard Scharfenberg (NDR). Mit herzlichem Dank für die freundliche Unterstützung an die dffb, die HFF München, Helmut Herbst, Uwe Schrader und Roland Emmerich.

Darsteller: Bei der „189. Sitzung des Filmprojektprüfungshauptausschusses“: Otto Sander (Otto Spalt), Rolf Zacher (Reporter Schnellwind), Alfred Edel (Dr. hc. Kohlhammer, Harald Effenberg (Lothar Linsmeyer), Dieter Kursawe (Vikar Leucht), Heinz Meier (Prof. Prüfspitz), Ingeborg Steiert (Frau Dr. Donnermann), Rüdiger Tuchel (Runzelkorn), Egon Vogel (Filmvorführer), Angelika Neumann (Fernsehmoderatorin), 83 Filmregisseure (sie selbst). Bei „Phantom“: Otto Sander (erster Passant), 4999 Passanten (sie selbst). Bei „Rückwärts“: Otto Sander (ottO treberT), Romy Haag (Frau auf der Bank), Hildegard Wensch (schimpfende Frau) und viele andere als alles mögliche. Bei „Bulette Pauli“: Otto Sander (Bulettenkiller), Bulette Pauli (im Off). Bei „Der Mord mit der Schere – oder das Mysterium von Heiligwalde“: Otto Sander (Kommissar Spalt), Udo Samel (Edgar), Helmut Krauss (Roger Moon [Tarzan]), Romy Haag (Maria Loria), Peter Fitz (Regisseur), Anthony Ingrassia (Produzent), Maria Paszek (Scriptgirl Lilo), Günter Meisner (Cutter). Bei „Close Up“: Otto Sander (Professor Spalt), Katharina Thalbach (Tamara), Irm Hermann (Frau Professor), Jörg Friedrich (CIA-John), Ulrich Otte (CIA-Roger), Günter Meisner (KGB-Chef), Valentin Platareanu (KGB-Wissenschaftler), Udo Samel (Fallschirmjäger).

Produktion: René Perraudin Filmproduktion. Co-Produktion: Sender Freies Berlin. Produktionsleitung: Christine Däumling, Reiner Borgmann.

Erstverleih: FifiGe/AG Kino Hamburg.

Uraufführung: Oktober 1987, Hof (Internationale Filmtage).

Kinostart: 26. Mai 1988.

Otto Sander war nicht nur ein großartiger Schauspieler, sondern auch ein ebenso begnadeter wie begeisterter Komödiant, was wegen der in Deutschland traditionellen Geringschätzung des Heiteren noch immer gern vergessen wird. Über rund zehn Jahre hinweg gab der Berliner René Perraudin (Jahrgang 1947) Sander die Gelegenheit, sein komisches Talent in unterschiedlichen Kurzfilmen unter Beweis zu stellen. Gemeinsamer Nenner: Sie alle kreisen auf die eine oder andere Weise um das Wesen des Mediums Film und spielen mit dessen Eigenheiten. Man könnte sie „experimentell“ nennen, würde dieses Adjektiv im Filmbereich nicht mit in der Regel selbstzweckhaften Spielereien verbunden, die nur besondere Liebhaber dieses Genres nicht langweilen.

Ganz anders die fünf Filme von René Perraudin. Sie reichen vom Versuch, den „Begriff“ des menschlichen Gesichts aus fünftausend Einzelaufnahmen zu destillieren über einen rückwärts gedrehten (und von Otto Sander auch rückwärts gespielten) Film, einen Krimi, in dem der Schnitt eine besondere Rolle spielt, und ein nur in Großaufnahmen photographiertes Science-Fiction- und Spionageabenteuer bis zum denkwürdigen Kampf mit Boulette Pauli, einem besonders widerborstigen Stück Hackfleisch, der sich freilich außerhalb des Bildes abspielt und einzig durch Sanders Aktionen und Reaktionen nachvollziehbar wird.

Perraudin gelang es, auch für Nebenrollen prominente Darsteller zu gewinnen: Darunter Katharina Thalbach, Irm Hermann, Udo Samel, Romy Haag, Alfred Edel, Peter Fitz, Günter Meisner, Dieter Kursawe, Helmut Krauss, den als Partner von Loriot berühmt gewordenen Heinz Meier oder den ewigen Nebendarsteller Rolf Zacher.

1987 faßte Perraudin diese fünf Kurzfilme in „z.B. … Otto Spalt“ zusammen, ergänzt um eine Rahmenhandlung, deren Titelfigur wiederum von Otto Sander verkörpert wurde: Ein Filmemacher, der vor einem – denkbar dummen – Filmförderungsgremium erscheint, um Geld für sein neues Projekt zu ergattern. So ist „z.B. … Otto Spalt“ Sicht nicht nur ein ebenso abwechslungsreiches wie intelligentes Vergnügen, sondern aus heutiger Sicht auch eine Erinnerung an eine inzwischen weit zurückliegende Zeit, als über das bundesdeutsche Filmförderungssystem und seine oft überbordende und absurde Bürokratie noch ausgiebig diskutiert wurde.

Unser Flyer zu dieser Rarität. Sie dürfen ihn gern herunterladen, ausdrucken, verteilen oder einrahmen und an die Wand hängen.

Mehr zu dem Film hier.





Quelle der filmographischen Angaben: DVD-Filmlänge, Stab, Besetzung: https://www.ottospalt.de (besucht am 28.9.2021). Analoge Filmlänge, Film- und Bildformat, Uraufführung, Erstverleih, Kinostart: https://www.filmportal.de/film/zb-otto-spalt_4ae425ee81954d4aa5dc288389aeb0f9 (besucht am 28.9.2021).

Bilder: René Perraudin Filmproduktion.